Von Rohmaterialien bis zu fertigen Konsumgütern umfasst das Supply-Chain-Management (SCM) den gesamten Prozess der Zusammenstellung und Auslieferung eines verkaufsfähigen Produkts. SCM umspannt die Bereiche Angebotsplanung, Produktplanung, Bedarfsplanung, Vertriebs- und Operationsplanung (S&OP-Planung) und Supply Management.
Wenn Sie SCM zu einem zentralen Schwerpunkt Ihrer strategischen Aktivitäten machen, kann dies eine positive Wirkung entfalten, die im gesamten Unternehmen spürbar ist. Voraussetzung ist jedoch die Kenntnis einiger grundlegender Prinzipien.
Was sind Best Practices im Supply-Chain-Management?
Um sich in einem wachsenden globalen Markt zu behaupten, brauchen Sie eine Supply Chain, die von Anfang bis Ende vernetzt ist – im gesamten Unternehmen und darüber hinaus. Diese fünf Schritte führen zu einer erfolgreichen vernetzten Supply-Chain-Planung:
1. Stellen Sie auf eine Supply-Chain-Planung in Echtzeit um
Beim Einsatz von ERP-Systemen und Tabellenkalkulationen für die Planung stützen sich Unternehmen in der Regel ausschließlich auf historische Daten. Dadurch bleibt wenig Spielraum für Anpassungen, wenn es zu Disruptionen bei Nachfrage oder Angebot kommt. Beispielsweise kann ein Unternehmen anhand der Vorjahreszahlen abschätzen, wie viele Produkte es im nächsten Quartal verkaufen wird. Was aber, wenn ein schwerer Sturm ein wichtiges Verteilerzentrum zerstört und dadurch zu wenig Ware in den Regalen verfügbar ist?
2. Führen Sie Supply-Chain-Planung und Unternehmensplanung zusammen
Der entscheidende zweite Schritt besteht darin, die traditionell isolierte Supply-Chain-Planung mit der Vertriebs- und Operationsplanung (S&OP) sowie der Finanzplanung zu verbinden. Unternehmen profitieren davon, wenn sie ihre kurzfristige operative Planung mit ihren umfassenderen Unternehmensplanungsprozessen synchronisieren, um Bestandsprognosen und Angebot in Echtzeit zu aktualisieren.
Durch den Einsatz von S&OP-Echtzeitlösungen, die eine unternehmensweite Zusammenarbeit ermöglichen, können wichtige Stakeholder im gesamten Unternehmen neue Szenarien erstellen und schnell bewerten, wie sie ihre Ressourcen optimal einsetzen.
3. Antizipieren Sie die Nachfrage der Endkunden
Für Unternehmen der Konsumgüterbranche ist es eine fortlaufende Herausforderung, vorherzusehen, was Kunden wann wünschen. Eine Lösung wie Anaplan ermöglicht End-to-End-Transparenz in der gesamten Supply Chain und über ein bestehendes Netzwerk aus Groß- und Einzelhändlern hinaus, um Nachfragesignale von Kunden zu erkennen.
Wenn sich verändernde Verbraucherstimmungen schnell erkennen und die Auswirkungen auf die Produktnachfrage bewerten lassen, profitieren Unternehmen, Partner und Kunden von einer höheren Rentabilität, besseren Margen und kürzeren Vorlaufzeiten.
4. Nutzen Sie Echtzeitdaten überall in der Supply Chain
Da Supply-Chain-Planung in der Regel zahlreiche Lieferanten, Kanäle, Kunden und Preissysteme umfasst, können Modelle groß und unhandlich werden – insbesondere, wenn Tabellenkalkulationen die primären Planungstools sind. Die Einbindung einer Lösung, die Echtzeitdaten nutzt, ermöglicht eine Planung mit höherer Genauigkeit und reduziert das Risiko von Fehl- oder Überbeständen.
5. Stellen Sie Flexibilität im Umgang mit Veränderungen sicher
Wenn Technologie eine effiziente Planung und schnelle Reaktionen ermöglicht, bedeuten Disruptionen nicht gleich das Ende der Welt. Denn das Erstellen aktualisierter Pläne und Prognosen ist problemlos möglich, sodass Zeit- und Kosteneinsparungen sowie eine höhere Rentabilität erzielt werden.
Was ist der Supply-Chain-Management-Prozess?
Der SCM-Prozess besteht aus vier Hauptbereichen: Bedarfsmanagement, Supply Management, S&OP und Produktportfoliomanagement.
1. Bedarfsmanagement
Das Bedarfsmanagement setzt sich aus drei Elementen zusammen:
- Bedarfsplanung ist der Prozess der Nachfrageprognose, mit dem sichergestellt wird, dass Produkte zuverlässig geliefert werden können. Eine wirksame Bedarfsplanung kann die Genauigkeit von Umsatzprognosen verbessern, Bestandsmengen an das Nachfrageniveau anpassen und die Rentabilität erhöhen.
- Warenplanung ist ein systematischer Ansatz für die Planung, den Einkauf und den Verkauf von Waren, um den ROI zu maximieren und Waren an den Orten, zu den Zeiten, zu den Preisen und in den Mengen bereitzustellen, die der Markt verlangt.
- Trade-Promotion-Planung ist eine Marketingtechnik, mit der die kurzfristige Nachfrage nach Produkten im Einzelhandel durch Sonderpreise, Verkaufsdisplays, Vorführungen, Zusatzboni, Geschenke ohne Kaufverpflichtung usw. gesteigert wird.
2. Supply Management
Das Supply Management besteht aus fünf Bereichen:
- Die Angebotsplanung legt fest, wie die aus dem Bedarfsplan abgeleiteten Anforderungen am besten erfüllt werden. Ziel ist es, Angebot und Nachfrage so auszubalancieren, dass die finanziellen Ziele ebenso wie die Serviceziele des Unternehmens erreicht werden.
- Die Produktionsplanung befasst sich mit den Bereichen Produktion und Fertigung innerhalb eines Unternehmens. Sie berücksichtigt die Ressourcenzuteilung von Mitarbeitenden, Materialien und Produktionskapazitäten.
- Die Bestandsplanung bestimmt die optimale Bestandsmenge und deren zeitliche Bereitstellung, um die Bestände auf die Anforderungen von Vertrieb und Produktion abzustimmen.
- Die Kapazitätsplanung ermittelt das Produktionspersonal und die Anlagen, die zur Erfüllung der Nachfrage benötigt werden.
- Distributionsplanung und Netzwerkplanung überwachen die Warenbewegung von einem Lieferanten oder Hersteller bis zum Verkaufsort. Distributionsmanagement ist ein Oberbegriff für Prozesse wie Verpackung, Bestandsmanagement, Lagerhaltung, Supply Chain und Logistik.
3. S&OP
S&OP ist ein monatlicher integrierter Unternehmensmanagementprozess, der die Führungsebene dabei unterstützt, sich auf wichtige Treiber der Supply Chain zu konzentrieren. Dazu zählen Vertrieb, Marketing, Bedarfsmanagement, Produktion, Bestandsverwaltung und die Einführung neuer Produkte.
Mit Blick auf die finanziellen und geschäftlichen Auswirkungen zielt S&OP darauf ab, Führungskräften durch eine dynamische Verbindung von Plänen und Strategien im gesamten Unternehmen fundiertere Entscheidungen zu ermöglichen. S&OP wird häufig monatlich durchgeführt, ermöglicht effektives SCM und richtet die Ressourcen eines Unternehmens darauf aus, die Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen und dabei rentabel zu bleiben.
4. Produktportfoliomanagement
Produktportfoliomanagement ist der Prozess von der ersten Produktidee bis zur Markteinführung. Ein Unternehmen benötigt eine Exit-Strategie für sein Produkt, wenn es das Ende seiner rentablen Lebensdauer erreicht hat oder falls es sich nicht gut verkauft.
Das Produktportfoliomanagement umfasst:
- Einführung neuer Produkte
- End-of-Life-Planung
- Kannibalisierungsplanung
- Kommerzialisierungs- und Ramp-up-Planung
- Deckungsbeitragsanalyse
- Portfoliomanagement
- Marken-, Portfolio- und Plattformplanung
Welche Kompetenzen sind für das Supply-Chain-Management erforderlich?
Erfolgreiche Supply-Chain-Verantwortliche vereinen technisches und geschäftliches Wissen mit ausgepägten Kompetenzen in Zusammenarbeit und Kommunikation. Entscheidend ist die Fähigkeit, auf Führungskräfte in Abteilungen einzuwirken, die mit der Supply Chain zusammenarbeiten. Tatsächlich kommt es sogar darauf an, mit Führungskräften im kompletten Unternehmen kompetent zu interagieren. Ein ausgeprägtes Verständnis des gesamten Geschäfts ist ebenfalls unverzichtbar: Die Zusammenarbeit mit Ansprechpartnern in Finanzabteilung, Vertrieb und Marketing ist effektiver, wenn Sie deren Sprache sprechen.
Mit Blick auf den möglichen Konflikt zwischen Mensch und Maschine heißt es, KI werde Manager nicht ersetzen. Aber Manager, die mit KI arbeiten, werden Manager ersetzen, die dies nicht tun. Das verdeutlicht die Transformation, die in der Supply Chain stattfindet: Der menschliche Faktor ist wesentlich, Technologie aber ebenso. Das ist kein Paradoxon, sondern die neue Normalität. Führungskräfte müssen digital versiert, aber auch im Umgang mit Menschen kompetent sein. Außerdem sollten Sie Storytelling beherrschen: Sie durchdringen die unzähligen Ebenen der Supply Chain, um Probleme aufzudecken, und fügen die relevanten Aspekte zu einer stimmigen Geschichte zusammen, die zur Lösung beiträgt.
Die facettenreiche Rolle von Supply-Chain-Führungskräften verändert sich bereits. Um in dieser neuen Welt erfolgreich zu sein, sollten Supply-Chain-Fachleute ihre Kompetenzen in Zusammenarbeit, Kommunikation und Führung ausbauen und mit fundiertem technischem Know-how verbinden. So werden sie zu einer starken Kraft für die Zukunft von SCM-Software.
Wie sieht die Zukunft des Supply-Chain-Managements aus?
Hier sind einige wichtige aufkommende Trends im SCM.
Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen
Forecasts auf Basis historischer Daten dienen als Grundlage für die Supply-Chain-Planung, doch künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) werden dies nachhaltig verändern. KI- und ML-basierte prädiktive Modelle werden Prozesse wie Demand Sensing, Demand Shaping und Orchestrierung sowie die Angebotsplanung transformieren. KI wird die dynamische Preisgestaltung vorantreiben, und die Einführung neuer Produkte wird auf prädiktiven Marktanalysen basieren. KI und ML werden außerdem neue Modelle für das Management von Produktaktionen sowie Reaktionen auf Disruptionen in der Supply Chain vorantreiben.
Regulatorische Herausforderungen und Sicherheitsrisiken
Angesichts des anhaltenden Risikos öffentlichkeitswirksamer Hackerangriffe, bei denen die Daten von Millionen von Verbrauchern kompromittiert werden, müssen Unternehmen die Standards ihrer Datenschutz- und anderen Schutzprotokolle anheben. Makroökonomische Unsicherheiten, politische Instabilität, Ölpreise und die (Nicht-)Verfügbarkeit von Ressourcen erfordern im gesamten Unternehmen Maßnahmen, auch innerhalb der Supply Chain. Daher benötigen Supply-Chain-Planer ausgereifte Modellierungsfunktionen, um für alle potenziellen Szenarien planen zu können.
Eine dynamische, vernetzte Zukunft
Supply-Chain-Verantwortliche suchen ständig nach neuen Wegen, Chancen zu nutzen und Hindernisse zu überwinden, während sich die moderne Supply Chain weiterentwickelt. Mit einem Ansatz für vernetzte Supply-Chain-Planung und dem Einsatz neuer Technologien werden Daten zusammengeführt und mehr Menschen in Entscheidungsprozesse einbezogen. Wenn die Supply Chain der Zukunft Gestalt annimmt, werden diese Trends eine zentrale Rolle bei der Supply-Chain-Transformation spielen.